Jacques Brel

Jacques Brel

Jacques Brel

Was verbindet Georges Brassens, Juliette Gréco, Raymond Devos, Serge Gainsbourg, Léo Ferré und Charles Aznavour miteinander?

Zum einen sind sie alle geniale Gaukler und Stars des französischen Chansons, zum anderen Freunde, Verbündete oder Partner des Mannes, den sie "Grand Jacques" nannten.

 

Jacques Brel (1929 - 1978), eine Ikone des französischen Chansons, besaß dieses heilige Feuer, die prometheische Fähigkeit, seinen schöpferischen Geist fühlbar und menschlich greifbar zu machen, ja ihm gesungene Gestalt zu verleihen. Er gehört im französischen Sprachraum zu der kleinen Gruppe von Sängern, deren literarische Chansons heute auch als Gedichte rezipiert werden. Zum Star wurde er jedoch nicht nur durch seine Texte und seine Musik, sondern war als Filmschauspieler und Musicaldarsteller fast ebenso erfolgreich.
Sein "flaches Land", sein "Flanderland" und seine Geburtsstadt Brüssel erleben die ersten musikalischen und literarischen Gehversuche des kleinen "Großen" Jacques. Er ist Mitbegründer der Theatertruppe seines Gymnasiums und tritt begeistert in ersten Rollen auf. Neben der Arbeit in der väterlichen Kartonagenfabrik verfasst der junge Brel einige kleine Chansons, Kurzgeschichten und Gedichte und versucht sich auch an einem Roman ("Le cheminot"). Nachdem er seine Frau Miche kennen gelernt hat, beginnt er, vor Publikum zu singen, und gibt erste Konzerte.
1953 bringt Brel, der inzwischen mit Miche die zweite von insgesamt drei Töchtern hat, bei Philips in Brüssel seine erste Single heraus ("La Foire"/"Il y a"), damals noch als 78er-Schellackplatte, von der 200 Stück verkauft werden. Der Produzent und Talentsucher Jacques Canetti lädt den vielversprechenden jungen Belgier daraufhin nach Paris ein, wo dieser im Variététheater "L'Echelle de Jacob" debütiert und eine weitere spätere Größe des französischen Chansons kennen lernt: Georges Brassens.
Bald siedelt Brel nach Montreuil-sous-Bois bei Paris über. Nun tritt er in Jacques Canettis Theater "Les Trois Baudets" und im "Chez Patachou" auf. Als die Muse der Existenzialisten, Juliette Gréco, sein Chanson "Ça va le Diable" interpretiert, beginnt für ihn der unaufhaltsame Aufstieg zum Ruhm.
Ende 1954 steht Brel auf den großen Pariser Bühnen: Alhambra, Olympia, Bobino. Dann folgen Europatourneen, die ihn bald in den Rest der Welt führen. Doch seine belgischen Wurzeln verleugnet er niemals. Etliche Lieder schreibt Brel gleichzeitig in Französisch und Niederländisch. Unter anderem: "Mijn vlakke land - Le plat Pays" und "De Burgerij - Les Bourgeois".
Nun geht es Schlag auf Schlag: Fernsehauftritte, Tourneen, Plattenaufnahmen, Konzerte mit den Größten des Genres: Gainsbourg, Devos, Aznavour usw. 1958 kommt seine dritte Tochter zur Welt. Im selben Jahr landet er den Riesenerfolg "Ne me quitte pas", der weltweit von zahlreichen Stars gecovert wird (Nina Simone, Sting, Rod McKuen, Johnny Hallyday u.a.).
Auf Deutsch wurden Brel-Chansons übrigens vor allem von Klaus Hoffmann, André Heller und Michael Heltau interpretiert.
1962, nach dem Erfolg von "Zangra", "Rosa" und "Les Bigotes", gründen Brel und seine Frau ihre eigene Plattenfirma: "Editions Musicales Pouchenel". 1963 komponiert er "La Fanette" und "Mathilde"; im selben Jahr wendet sich der stets nach Neuem Gierende der Filmmusik zu: Er schreibt den Soundtrack zu "Un roi sans Divertissement", einem Film von François Leterrier nach dem gleichnamigen Roman von Jean Giono. Es folgen weitere Welterfolge (Les Vieux, Jef, Ces Gens-là, Fernande, Amsterdam usw.), bis er sich 1967 von der Bühne verabschiedet und zum Film geht.
Als Schauspieler ist er u.a. in "La Bande à Bonnot" von Philippe Fourastié, "L'aventure c'est l'aventure" von Claude Lelouch und "L'Emmerdeur" ("Die Filzlaus") von Edouard Molinaro mit Lino Ventura zu sehen. Auch an einer Regiearbeit versucht er sich mit dem Film "Franz". Doch erst mit dem Musical "L'Homme de la Mancha" ("Der Mann von La Mancha"), in dem er den Don Quichotte verkörpert, vereint Brel 1968 Schauspielerei, Komposition und Regie in einem abschließenden Bouquet.
Wenig später zieht sich Brel aus der Welt der Menschen zurück. Auf seinem Segelschiff befährt er die sieben Weltmeere und lässt sich schließlich auf den Marquesas-Inseln in der Südsee nieder, die auch für Paul Gauguin Zuflucht waren .
Doch eine schwere Krankheit zwingt ihn 1974 zur Rückkehr in die Heimat. In Brüssel wird ihm ein Lungenflügel entfernt. Mit halber Lunge nimmt er 1977 seinen Schwanengesang "Les Marquises" auf.
Am 9. Oktober 1978 um 4 Uhr morgens erliegt Jacques Brel in Bobigny bei Paris einer Lungenembolie.

Zitat des Tages

Konrad Adenauer
Konrad Adenauer: „Man darf niemals 'zu spät' sagen. Auch in der Politik ist es niemals zu spät. Es ist immer Zeit für einen neuen Anfang.“
von zitate-online.de
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