Auf der Suche nach Gott
Denkaufgaben
Ein alter Freund gibt mir derzeit harte Denkaufgaben. Mit Schopenhauer und Kant nähern wir uns dem Sinn des Lebens.
Schwere Kost. Natürlich geht es dabei um die Kernfrage: Gibt es Gott? Eine mehr als interessante Thematik, denn von Kant gelangen wir zu Schopenhauer, schweifen ab zu Rousseau und und und. Es tun sich - wie sollte es anders sein - mehr Fragen als Antworten auf. Leben ist Leid, so Schopenhauer. Alles dreht sich im Kern nur ums Überleben und gerade dies ist ohne Sinn. Fressen um gefressen zu werden. Und das alles im Sinne Gottes? Beim Lesen und Nachdenken trudeln die Gedanken ins Unermeßliche. Antworten bewegen sich im Nebel, sind schemenhaft und nicht unbedingt erfreulich.
Und zwischendurch stelle ich mir die Zwischenfrage: "Glaube ich an Gott?" Ja, ich glaube an eine Höhere Gewalt. Und wenn ich ehrlich bin, so glaube ich um so fester, wenn es mir schlecht geht. In der Hoffnungslosigkeit ist der Glaube an die Hilfe des unbeschreiblichen Gottes stärker und unerschütterlicher, als ich es mir in guten Tagen eingestehen will.
Um nicht zu tief in die negative Philosophie der großen Denker eintauchen zu müssen, lenke ich mich abends vorm Einschlafen mit leichter Unterhaltungsliteratur ab. Da las ich in dem Buch "In der Ferne der Normandie" von Jonathan Hull die Geschichte eines alten Mannes und seines Enkels. Er, der Alte, nimmt sich seines missratenen 16 jährigen Enkels Andrew an und will den Jungen wieder auf den Pfad der Tugend bringen. Und beim Versuch, den Jungen von seinen Werten zu überzeugen, öffnen sich ihm die eigenen Abgründe.
Wirklich lesenswert. Gestern Abend las ich eine Passage, die mich über meinen derzeitigen schwierigen Exkurs über "Gott und die Welt" schmunzeln ließ. Nicht wissenschaftlich, nicht ernst zu nehmend und schon gar nicht antwortgebend. Aber dennoch wert, vorm Einschlafen zu lächeln:
Andrew und die Akne
Auch Anrdew sah hoch und dachte, wenn es einen Gott gebe, müsse er von so einer Decke ziemlich beeindruckt sein. Eine Zeit lang beobachtete er noch das Mädchen, dann blickte er wieder zu seinem Großvater hinüber, der sich nicht gerührt hatte.
Glaubte er an Gott? Andrew hatte ein paar Mal versucht zu beten und auf Beistand in seinem Kampf gegen die Akne gehofft. Als er eines Nachts wach im Bett lag und vor lauter Einsamkeit in Tränen ausbrach, versuchte er sich sogar in einer Art Wiedergeburt:
Er versicherte Jesus, dass er absolut an ihn glaube und nie wieder wichsen würde. Doch am nächsten Morgen sah er beim Blick in den Spiegel eine neuerliche Akne-Attacke direkt zwischen den Augen und kam zu dem Schluss, dass es entweder keinen Gott gab, oder dass er genauso ein Arschloch war wie alle anderen.
Und nachdem er eine dicke Schicht Make-up seiner Mutter aufgetragen hatte, setzte er sich auf die Toilette und holte sich schnell einen runter.
Wie gesagt, die Gedanken des jungen Andrews haben mich in der Thematik keinen Schritt weiter gebracht. Aber ich schlief mit einem Schmunzeln ein. Und ich habe sehr gut geschlafen.
Vielleicht ist das Lächeln fester Bestandteil im Sinn unseres Lebens?
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