Feen und Steine........

Von Feen und Sternen
(Überarbeitet am 02.04.2009)
Jetzt hatte sie die Unzufriedenheit gepackt. Mit Unmut im Gesicht wirkte sie überhaupt nicht mehr feenhaft. Auch ihr Sternenkleid wollte einfach nicht mehr so wunderschön funkeln, wie es das normalerweise tat. Ihr Feenstab, mit dem sie so unglaubliche Sachen anrichten konnte, lag in ihrer Hand, als ob er nicht zu ihr gehöre. Kurz gesagt, die kleine Fee war todunglücklich! Dabei war sie eine der besten Feen, die man sich nur vorstellen konnte. Das kleine Menschlein, das man ihr anvertraut hatte, konnte keinen besseren Schutzengel bekommen, als diese kleine Fee.

Jeder Schmerz, jede Traurigkeit, die das kleine Menschlein heimsuchte, tat der kleinen Fee mehr weh, als dem kleinen Mensch. Und weil das so war, passte sie ganz besonders auf ihren Schützling auf. Sie war so sehr darauf bedacht, daß ihm kein Leid angetan wurde, daß sie abends, wenn der kleine Mensch schlief, selbst sehr müde war. Wer sich mit Feen auskennt, der weiß, daß Feen eigentlich gar nicht so schnell müde werden. Sie aber nahm ihre Aufgabe so ernst, daß sie sogar, wenn der kleine Mensch schlief, auf seine Träume achtete. Kein Alp sollte sich in die Träume schleichen und ihn ängstigen. 
Mit anzusehen, wie aus dem Baby ein Kind- und aus dem Kind langsam, aber unaufhaltsam ein Erwachsener wurde, war für die kleine Fee ein wunderschönes Erlebnis. Alle Höhen und Tiefen ihres Schützlings waren ihr zu Eigen geworden. Freute sich der kleine Mensch, war sie irrsinnig glücklich, war auch nur eine kleine Traurigkeit in ihm, hätte sie den ganzen Tag weinen können.
Viele Unglücke hatte sie schon von ihm abwenden können, zumindest konnte sie alles so hinzaubern, daß der kleine Mensch nicht vor Kummer zerging. Und bei all` ihrem Tun ahnte der kleine Mensch nicht, daß die kleine Fee immer bei ihm war. Am Tag, in der Nacht, beim Schlaf, beim Spiel, in der Schule, beim Träumen, einfach immer.
Manchmal erinnert sie sich der Zeit, da alles noch viel einfacher war. Da flog sie nachts in das Zimmer ihres Schützlings, drehte ihren Feenstab im Kreis, und der Sternenstaub sprühte nur so durch das Zimmer. Dann leuchtete alles in den allerschönsten Farben; gold, blau, silber. Die Schützlinge wurden traumwach, und sie konnte den ungläubig schauenden Menschen sagen, was sie tun oder lassen sollten.
Wenn die Nacht vorüber war, dann erwachten sie aus ihrem Traumschlaf. Natürlich glaubten sie, nur einen schönen Traum gehabt zu haben, aber in einer versteckten Ecke ihres Herzens glaubten sie an die Fee. Auch das, was sie ihnen in der Nacht gesagt und geraten hatte, es war in ihren Köpfen drin und tat ihre Wirkung!
Zwar ist es einer normalen Fee nicht gegeben, sich seinem Schützling zu zeigen, denn ihre Aufgabe muß sie erfüllen, ob der kleine Mensch an sie glaubt, oder nicht. Doch sie ist auch nur eine Fee, und so tut es ihr gut, wenn sie spürt, daß jemand an sie glaubt; schöne Gedanken an sie hat.
Was aber macht die kleine Fee denn jetzt gerade so sauer? Ganz einfach: Sie erinnerte sich seit heute morgen, wie es früher war, als die Leute noch an Feen und Elfen glaubten. Das ist schon viele Jahre her. Seitdem hat sich so schrecklich viel verändert. Mit der Zeit sind den Menschen ganz andere Dinge wichtig geworden. Sie träumen nicht mehr, wollen alles was sie sehen haben. Haben sie es, stellen sie es in eine Ecke und kümmern sich nicht mehr darum. Den Glanz der Freude in ihren Augen hat die kleine Fee schon lange nicht mehr gesehen. Obschon die Menschen heute ständig reden, sind sie doch irgendwie stumm geworden. Die Kinder, die Alten und die Jungen; irgendetwas hat sie alle verändert. Früher saßen sie oft zusammen, erzählten sich Geschichten, Träume und Phantasien. Heute lebt jeder vor sich hin, behält schöne Gedanken in sich und erzählt den anderen bestenfalls was Unwichtiges. Ihr Glück finden sie in flimmernden Kisten. Vor diesen Kisten sitzen sie oft stundenlang, und geraten immer mehr in eine Welt der Vereinsamung. Die Schönheiten der Welt sehen sie nicht mehr: Wenn die Sonne an einem schönen Tag ihre Herzen bis in die hinterste Ecke erwärmt, dann sagen sie: „Heute ist schönes Wetter.", daß diese Sonne ihre Seele streichelt, merken sie nicht.
Wenn der Regen ihrem Körper Ruhe gebietet und ihnen Zeit geben will nachzudenken und miteinander zu reden- daheim, vorm warmen Ofen- dann ziehen sie sich Jacken an, die ihrer Haut Schutz vor dem ruhebringenden Nass geben, spannen Schirme über ihre Köpfe und gehen ihren Gang, als sei alles wie immer. Wenn der Wind ihnen durchs Haar bläst und ihnen helfen will trübe Gedanken zu vertreiben, dann ziehen sie sich Mützen an, um es ja nicht zuzulassen. Sie haben sich sehr verändert, die Menschen. Sie glauben nur noch was sie sehen. Weil sie aber immer mehr mit sich selbst beschäftigt sind und anderen gar nicht mehr zuhören, sehen sie die meisten Dinge gar nicht mehr. Eine schöne Blume am Wegrand bringt ihnen keine Freude, sondern nur den Wunsch, sie abzubrechen und mit nach Hause zu nehmen. Daß die Blume somit anderen Augen verborgen bleibt, nicht mehr weiter leben kann, das ist ihnen egal. Sie wollen sich nicht freuen, sondern einfach nur besitzen.
Wenn man so lebt, wird der Blick immer enger, die Träume immer dünner, und für Feen oder Elfen bleibt kein Platz mehr.
Kleine Feen gibt es aber, und sie müssen ihre Aufgabe erfüllen, ob an sie geglaubt wird oder nicht. Kein Wunder, wenn die kleine Fee verdammt und überhaupt sehr wütend geworden ist.
Manchmal gibt es dann doch noch ein Mensch, der anders ist. Er will nicht alles besitzen, was er sieht, sucht nicht sein Heil in der Flimmerkiste und kann noch richtig träumen. Er Glaubt an Feen und Elfen, und der Glanz in seinen Augen ist von einer Herrlichkeit, die Neid hervorruft. Die anderen sehen das, möchten es natürlich besitzen, aber man kann es nicht so einfach kaufen, pflücken oder gar stehlen. Es ist ihnen ein Rätsel, das sie nicht lösen können. Dann packt sie die Wut und sie sagen, daß dieser Mensch, der diese Herrlichkeit in seinen Augen hat, nicht normal sei. Sie stempeln ihn ab als Sonderling, behandeln ihn, als sei er krank und schließen ihn aus ihrer Gesellschaft aus. Dann steht er allein da und weiß gar nicht was er falsch macht, merkt nur, daß die anderen über ihn lachen, ihn als Träumer oder gar verrückt bezeichnen. Dann vergeht die Freude über seine Träume und er behält sie für sich. Erzählt sie niemandem mehr und passt sich langsam den anderen an. Irgendwann ist der Glanz in seinen Augen erloschen und die anderen sagen, daß er jetzt normal geworden sei.
Sie halten ihn für geheilt, daß sie ihn mit ihrer eigenen Krankheit- der Phantasielosigkeit - angesteckt haben kommt ihnen nicht in den Sinn.
Kein Wunder, wenn die kleine Fee so sauer ist. Zwar weiß sie nur zu gut, daß es Feen und Elfen gibt, und mit ihrer Kraft und ihrem Feenstab weiß sie wahre Wunder zu vollbringen und Unglücke zu vermeiden, aber die betroffenen Menschen nennen solche Taten der Feen dann ganz einfach nur einen Zufall.
Den Sternenstaub, den eine Fee versprühen kann und damit ihren wunderbaren Glanz über die Welt zu legen vermag, den sehen die Menschen nicht mehr, oder wenn sie ihn sehen, dann meinen sie sich getäuscht zu haben.
Und weil das so ist, handeln die Feen zwar noch immer wie ihnen geheißen, sonst wären sie ja keine richtigen Feen mehr, aber es will keine wirkliche Freude mehr bei ihnen aufkommen.
So verlieren einerseits die Menschen ihren Glauben an das Schöne, und andererseits die Feen ihre strahlende Freude! Es ist schlimm!
Mit jedem Tag driften die Welten der Menschen und Feen- die eigentlich ja nur eine Welt ist- immer weiter auseinander. Es ist, als ob ein dicker Nebel ihnen die Sicht versperrt.
So saß sie da, die kleine Fee, dachte nach und versuchte krampfhaft einen Weg zu finden, der die Nebel zwischen den Welten trennen könnte, ihn durchbricht.
Sie konnte doch ihren Schützling sehen, konnte größeres Unheil von ihm fernhalten, warum sollte sie ihm kein Zeichen geben können, das den Glauben an Feen und Elfen wieder stark macht und dem alten Leben von früher wieder mehr Wert gibt? Es mußte einen Weg geben!
Vor langer Zeit stand ein großer Fels im Lande. Er war wunderschön anzusehen und war sehr hoch. Kein Mensch hatte es bis dahin geschafft, seine Spitze zu erklimmen. Er war so hoch, daß es sogar selten war, daß ein Vogel zur Spitze kam. Das ganze Jahr über lag weißer Schnee auf dem Gipfel.
Bei klarem Wetter konnte man weit ins Land sehen. Man sah weite Täler, grüne Wiesen; sanfte Bäche wanden sich durch das Land, die geschmeidigen Hügel waren von grünen Wäldern bedeckt und schienen zu langen Spaziergängen einzuladen.
Im Frühling konnte man von oben sehen, wie die Natur das Land in zarten Farben zum Leben erweckte; wie langsam alles in Bewegung geriet. Dann kam der Sommer und mit ihm wuchs das Gefühl, dass die Welt ihre grellen Farben verliert und eine große Ruhe einkehrt. Alles flimmerte im warmen Sonnenlicht und schien sich langsamer zu bewegen. Gegen Ende des Sommers wurden die Farben dunkler. Sanftes Braun, angenehmes Dunkelrot begann die Welt zu beherrschen.
Dann kam der Herbst, brachte die ersten Winde, dicke Regentropfen gaben der ausgetrockneten Erde die Feuchtigkeit, die sie zum Leben brauchte. Die Vögel, die am liebsten im Warmen leben, versammelten sich und zogen in den Süden. Andere Tiere begannen Vorräte für den Winter zu sammeln; die Menschen brachten die Ernte ein, und alles war in Bewegung. Die Pflanzen begannen sich auf den Winter einzustellen und ließen ihre Blätter zu Boden fallen.
Dann wurden die Winde stürmischer, der Regen heftiger und es ging mit riesigen Schritten dem Winter entgegen.
Die Temperaturen sanken, der Wind wurde eisig und aus dem Regen wurde langsam Schnee. Morgens war die ganze Welt von Raureif überzogen und dieser Anblick verlieh den Eindruck von großer Ruhe.
Dies alles sah der Fels von seiner Spitze aus und er sehnte sich sehr danach, das alles auch mitzuerleben. Bei ihm war es aber immer kalt, und der Schnee lag das ganze Jahr über auf seinem Haupt. Die Jahreszeiten, die ihm alle sehr gut gefielen, konnte er nur aus der Ferne beobachten, und eine große Sehnsucht erfüllte sein uraltes Steinherz.
Wir sind heute leider dem Glauben verfallen, daß Steine tot seien, nichts fühlen, nur daliegen und nichts weiter. Es ist einer der vielen Irrtümer, denen wir aufsitzen. Könnten Steine sich in unserer Sprache mitteilen, sie könnten die spannendsten, verrücktesten und herzzerreißendsten Geschichten erzählen. Doch weil sie sich uns nicht mitteilen können, oder wir nicht ihre Sprache verstehen, glauben wir ernsthaft, Steine seien tot. Nein, es ist ganz anders: Steine können sehen, hören, fühlen.
Und so lag unser Fels da, mit seinem schneebedeckten Gipfel und brannte vor Sehnsucht nach dem Land, das er tagein, tagaus vor sich sah. Irgendwann wurde seine Sehnsucht so gewaltig, daß ein großes Stück vom Felsen losbrach und sich in die Tiefe stürzte. Im Verhältnis zum Felsen war es nur ein unmerklich kleines Stück, doch für unsere Begriffe war es ein großer Felsbrocken. Er purzelte in die Tiefe und rollte mit einer Urgewalt durchs Land, das er schon seit so vielen Jahren beobachtete und das sein Steinherz schon so lange mit dieser schmerzenden Sehnsucht erfüllte. Er hatte einen solchen Schwung bekommen, daß er soweit in das Land hinein rollte, bis von dem großen Felsen nichts mehr zu sehen war. Ja er rollte hinter den Horizont und suchte sich einen Platz, wo er für immer liegen bleiben wollte. Es sollte ein Platz sein, an dem er die- bis dahin nur aus der Ferne beobachteten- Jahreszeiten steinnah spüren konnte! Er hatte ja lange von einem solchen Platz geträumt und so kam es, als er durch das Land rollte, daß er seine ewige Ruhestätte sofort erkannte. Lange Jahre erzählten sich die Menschen von der unvergesslichen Reise des Steines. Und der Platz, den er sich ausgesucht hatte, war wahrhaftig schön. Er lag in der Nähe eines kleines Baches, gesäumt von einem herrlichen Mischwald aus alten Bäumen. Ein sanfter Hang mit einer saftigen, im Sommer von Blumen übersäten Wiese, lag direkt hinter ihm. Es war ein wahrhaft himmlisch.
Schon bald wurde der Stein Ziel für viele Menschen. Wanderer suchten im Sommer seinen Schatten als Rastplatz; Liebespaare trafen sich an warmen Sommernächten bei ihm, und auch im Winter kamen oft junge Leute zum Platz des Steines, um dann bei einem Lagerfeuer, ganz ungesehen und erfüllt von der Ruhe, die der Stein ausstrahlte, das Leben in sich zu spüren.
Mit der Zeit wuchsen Büsche und Sträucher um den Stein herum und der Weg zu ihm wurde beschwerlicher. Die Anzahl der Besucher wurde geringer, denn der Weg zum Stein wurde beschwerlicher. Die Menschen gewöhnten sich im Laufe der Zeit immer mehr an, nur noch einfache Wege in ihrem Leben zu gehen. So kam es, daß fast kein Mensch mehr den Stein besuchte. Die Tiere im Wald merkten das sehr schnell und freuten sich über diese Entwicklung, denn jetzt wurde dieser wunderschöne Platz die Heimstätte der Rehe. Tagsüber legten sie sich versteckt in den angenehm ruhigen Schatten des Steines und schliefen bis zur Dämmerung. Kein Jäger kam auf die Idee, die Tiere dort beim Stein zu suchen.
Der Stein freute sich mit den Tieren. Er fühlte sich so wohl, wie bestimmt kein anderer Stein auf dieser Erde.
Alles, wovon er geträumt hatte, als er noch vor langer Zeit oben auf dem Felsen war, war nach seiner Reise eingetreten. Ja, es war noch schöner geworden, als er es sich jemals vorgestellt hatte. In diesem Wohlbefinden ließ er sich dunkelgrünes Moos über seine Steinhaut wachsen und war wunderschön anzusehen. Nur noch ganz wenige Menschen wussten überhaupt noch von dem Stein. Die, die es wussten wollten diesen schönen Platz als ihr Geheimnis behalten, gingen aber nur selten hin. Wie gesagt, der Weg zum Stein war inzwischen ganz schön schwierig geworden. Die Tiere waren regelmäßige Besucher. Nur noch die Tiere?
Nein, Feen und Elfen fühlten sich beim Stein ebenso wohl, wie die Rehe, Käfer und Vögel.
Die kleine Fee saß gerade jetzt, wo sie vor Wut und Traurigkeit fast zerging, auf dem Stein im weichen Moos. Die Verzweiflung machte sie fast verrückt.
So saß sie da auf dem Stein, ihr Feenstab in der Hand und der Stab ging mal nach links, mal nach rechts, stieß hier mal gegen einen Ast, dort gegen einen Zweig, hier mal gegen den Stein.
So fuchtelte die Fee gedankenverloren mit ihrem Stab herum. Wer sich ein bißchen mit Feen auskennt, der weiß, daß Feenstäbe bei jeder Berührung etwas Sternenstaub versprüht. In diesem Sternenstaub liegt eine große Zauberkraft: Hoffnung, Mut, Liebe, Zuversicht.
Da es erst Nachmittag war, im Sommer, sah man den Sternenstaub nicht. Sternenstaub heißt ja deshalb Sternenstaub, weil er aus Sternen gemacht ist, und Sterne sieht man am Tag nicht.
Die Fee saß da, grübelte und war traurig. So in Gedanken merkte sie nicht, wie die Zeit verging. Die Sonne wanderte langsam aber unaufhaltsam gen Westen. Sie näherte sich den Bergen und ihr weißes Sonnenlicht wurde mit jeder Sekunde roter!
Dieses rote Sonnenlicht hat viele Vorzüge. Es läßt den warmen Tag sanft zum kühlen Abend werden, es ist Garantie für schönes Wetter am nächsten Tag und was besonders gut ist, ist die Tatsache, daß es den Tag in wunderschöne Pastellfarben hüllt, bevor er sich dunkel in den Mantel der Nacht hüllt. Es ist so, als würde der Tag für seine Schönheit belohnt und die Sonne will ihm Mut machen, morgen noch schönerer zu werden!
Die kleine Fee saß auf ihrem Lieblingsstein und ihr Blick lag in der Ferne, ohne etwas Bestimmtes zu sehen. Sie sah den Tag schwinden, bemerkte es aber gar nicht so wirklich.
Langsam schlich sich die Dunkelheit in die Welt. Die kleine Fee saß noch immer da und wünschte sich, einen Weg zu finden, sich ihrem Schützling mitzuteilen, daß dieser wieder an sie glaubt, und sie wieder mehr Freude an ihrem Dasein bekommen könnte.
Der Stein lag da und merkte natürlich den Kummer der Fee. Er hörte sich lange Stunden ihre Kummergedanken an. Ihr wisst, Steine können nicht so reden wie wir, sie teilen sich mit, in der Sprache der Gedanken. Und weil Sie das können, verstehen sie auch Gedanken, die nicht laut ausgesprochen werden. So hörte er der kleinen Fee zu und wollte ihr helfen. Er machte sein weiches Moos so weich und sanft, als läge sie in einem Himmelbett. Durch seine Kraft dufteten die Pflanzen um den Stein herum so stark, daß die kleine Fee richtig benommen wurde. Sanftmut und Behaglichkeit kamen leise zur Dunkelheit hinzu. Die kleine Fee spürte ihren Ärger nicht mehr, und ihre Augen sahen auf einmal den Sternenstaub, den ihr Stab den ganzen Mittag versprüht hatte, als sie gedankenverloren mit ihm gespielt hatte.
Dieser Sternenstaub fing jetzt mit zunehmender Dunkelheit zu leuchten an. Der Stein war somit noch wunderbarer anzusehen. So muß es im Paradies aussehen!
Der Stein gab all seine Kraft an die Fee weiter, der in diesem Moment klar wurde, was sie zu tun hatte. Sie würde einen kleinen Stern basteln, ihn mit Sternenstaub bestreichen und diesen- bei Tag unsichtbaren- Stern an die Decke im Schlafzimmer ihres Schützlings hängen. Wenn er in der Nacht in seinem Bett liegt, wird der Stern leuchten und ihm muß klar werden, daß es mehr gibt, als das, was die Menschen Wirklichkeit nennen!
Die kleine Fee wollte keine Zeit mehr verlieren und flog sodann los, um ihren Plan zu verwirklichen.
Wer die Fee mittags gesehen hätte, der hätte sie jetzt nicht wieder erkannt: Ihre Augen leuchteten wie Gold vor Freude, ihr Kleid war so rein und frisch, als hätte ein verliebter Zauberer es gerade in diesem Moment für sie herbeigezaubert, und ihr Feenstab stand ihr so prächtig, als könne es auf der ganzen Welt nichts geben, was in die schöne Hand dieser wundervollen Fee so gut passt, wie eben dieser zauberhafte Stab.
Sie flog los und zog einen dünnen Streifen leuchtenden Sternenstaub hinter sich her, so aufgeregt war sie. Sie wußte: Freude verschenken, heißt Freude erleben und auch bekommen.
Der Stein lag da und genoß sein Dasein! Noch immer funkelte der Sternenstaub in der nahenden Morgendämmerung vor sich hin.
[1994]

Zitat des Tages

Konrad Adenauer
Konrad Adenauer: „Man darf niemals 'zu spät' sagen. Auch in der Politik ist es niemals zu spät. Es ist immer Zeit für einen neuen Anfang.“
von zitate-online.de
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