Die Auflehnung
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Die Auflehnung
ISBN-10: 3423132817
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Inhalt:
Willy Wittmann übt den Beruf des Teekosters bei einer Hamburger Weltfirma aus. Als er die Fähigkeit verliert, sichere Geschmacksurteile abzugeben, kündigt er seine Stellung und zieht sich auf das ländliche Anwesen seines Bruders zurück. Hier sucht er neue Perspektiven für die Altersphase seines Lebens. Frank Wittmann hat die Teichwirtschaft vom Vater übernommen. Auch er ist von einem herben Verlust bedroht, der ihm und seiner Familie die ohnehin karge materielle Basis entziehen kann: Kormorane fressen ihm die Fische aus seinen Teichen.
Wider besseren Wissens hofft Willy, dass sich seine Geschmacksnerven regenerieren werden. Bald aber muss er einsehen, dass ihm der Verzicht auf seinen bisherigen Lebenssinn abverlangt wird. Er findet zu seiner Form des Aufbegehrens... Und Frank, ein oft bitterer Mann, holt seinen alten Karabiner hervor und nimmt den Kampf gegen die Kormorane auf. Da diese unter Naturschutz stehen, muss er mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Dennoch zögert er keine Sekunde ...
Siegfried Lenz hat auch in diesem Roman an seiner Schreibkonzeption der erinnernden Literatur festgehalten. Zwar gibt es eine ausgedörrte wie auch eine spröd-liebevolle Ehe, eine altersscheue Liebe, Liebesverrat, Vergewaltigung, schwere Unfälle auf hoher See, Schlägerei, Diebstahl, Brandstiftung, Fischvergiftung... Trotzdem hat Lenz seinen Stoff nicht im Gewusel des aktuellen Tagesgeschehens gesucht und zu Spannungshäppchen arrangiert. Bestimmend bleibt die Einbettung der Vorfälle in einen ruhigen, breiten Erzählstrom, der von einer genau recherchierten Detailtreue geprägt ist. Faszinierend die zahlreichen Naturbilder, die den Roman durchsetzen. Wer die Landschaft von Schleswig über Arnis und Kappeln bis zur Ostsee entlang der Schlei kennt, wird den Facetten-Reichtum des Werkes genau erfassen können.
Inhaltsangabe von Dr. Reinhard Lahme
Persönliche Bemerkung:
Treffender hätte ich den Inhalt nicht aufschreiben können. Chapeau Herr Lahme. Und wie habe ich mich beim Lesen gefühlt, oder besser, was habe ich gefühlt? Es war mein sechster Lenz. Das hat ja einen Grund, dass ich gleich eine ganze Reihe Geschichten eines Autors lese. Siegfried Lenz ist ein ganz großer Erzähler, ein Maler in Worten.
Ruhig, in wunderschönen Wortkompositionen erzählt er seine Geschichten. In der Auflehnung führt er die verschiedenen Leben der unterschiedlichen Brüder Frank und Willy zusammen. Würde man vielleicht vom einfachen Fischer einfache Verhaltensmuster und weniger Größe vermuten, so wird man beim Lesen überrascht, wenn der weltgewandte Willy es ist, der sich - ohne dass Lenz je das Wort benutzt - in die junge Corinna verliebt. Nein, es kommt nicht zu einem Skandal, aber die Zuneigung schwingt in der Geschichte mit und muss hier erwähnt werden. Und ich möchte der oben, von Herrn Lahme aufgeführten Umschreibung „spröd- liebevolle Ehe“ einen Gedanken hinzufügen. Frank, der stille Dickkopf, der einfache Mensch aus der Landbevölkerung, er ist der Mann von Sophie, die schwer an Rheuma erkrankt ist. Frank kümmert sich so hingebungsvoll um seine kranke Frau, dass es schon verwunderlich ist, wie nebensächlich Lenz diese große, unromantische Liebe erzählt, ohne sie direkt in Worte zu fassen. Genau das ist Lenz` große Erzählkunst; einfach wunderbar! Ach ja, und Willys Ehefrau Tekla muss erwähnt werden. Sie, die Tochter aus reichem Hause, die ihren Mann auf ihre unbarmherzige Art dominiert, darf nicht unter den Teppich gekehrt werden. Gegen sie und ihren Vater richtet sich Willys Auflehnung; fast schon wortlos, aber unheimlich konsequent. Frank hingegen lehnt sich auf gegen nicht nachvollziehbare Richtlinien; da werden Kormorane geschützt, auch wenn die Existenzgrundlage der Forellenzüchterfamilie auf dem Spiel steht… Ach, ich möchte gerne noch hundert weitere Nuancen hier aufschreiben, um dieses Buch „rund“ zu machen. Ich belasse es dabei, erzähle nichts von Ute, nichts von ihrer unglücklichen Liebe, und auch nichts von ihrem Bruder, der wohl seine großen Träume der Familie zuliebe vergessen wird. Ich urteile (erneut) zu diesem Lenz Roman: Diese ruhig erzählte, tiefgreifende Geschichte erachte ich als absolut lesenswert.
MSp
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