Erbarmen - Schändung - Erlösung
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Jussi Adler Olsen
Erbarmen |
Carl Mørck, sein dubioser Gehilfe Assad, und die multiple Persönlichkeit Rose stellen das Sonderdezernat Q dar. „Aha“, wird man da denken. „ Das Sonderdezernat Q,. Is klar!“ Was sich der dänische Autor Jussi Adler Olsen da ausgedacht und aufgeschrieben hat, ist für einen Krimiliebhaber eine echte Perle in der zuweilen sehr dünnen, aktuellen Literaturdecke deutscher Sprache. Als ich erstmals einen Adler Olsen in der Hand hatte, die Aufmachung sah, den Titel las, da dachte ich: „Hier will einer im Duktus eines Stig Larsson schreiben und berühmt werden.“ In der Tat kommt man nicht umhin, Vergleiche zu ziehen. Allerdings beendete ich die Vergleicherei schon nach wenigen Seiten. Olsen beginnt die Serie mit dem etwas schrulligen, aber unheimlich menschlichen Carl Mørck, der nach einem Einsatz, indem er einen Polizeikameraden verliert und ein weiterer so schwer verletzt wird, dass dieser von da an ab dem Hals nach unten gelähmt ist. Carl bekommt nur einen Streifschuss ab, liegt unter seinem schwerverletzten Freund und stellt sich tot. Hiernach quälen ihn schlimme Selbstvorwürfe. Er hält sich für feige, weil er sich tot stellte um zu überleben, während sein ein Freund tot und der andere für immer hilflos ans Bett gefesselt ist. Noch während Carl Mørck seine Selbstzweifel aufzuarbeiten versucht, wird in Dänemark eine politische Entscheidung getroffen, die dergestalt aussieht, dass ein neues Sonderdezernat Q, bei der Reichspolizei in Kopenhagen beheimatet, eingerichtet wird, um sich älterer, bisher ungelöster Fälle zu widmen. Da kommt es dem Polizeichef gerade Recht, dass Carl Mørck eine neue Aufgabe braucht. Im Keller des Polizeigebäudes schlägt die Geburtsstunde des Sonderdezernats Q. Carl kommt so unheimlich menschlich daher. Kein glänzender Held! Nein, er stellt sich zuweilen darauf ein, stundenlang an seinem Schreibtisch zu sitzen, die Füße auf dem Tisch verträumt auf den Feierabend hin zu dösen. Natürlich wird es spannend. Assad, der Syrer – oder ist er Iraner? – wird dem Kriminalbeamten als Gehilfe unterstellt. Eigentlich soll der nur putzen und leichte Büroarbeiten erledigen. Er hat keine Polizeiausbildung. Assad aber entwickelt sich zu einer schillernden Gestalt. Der kann messerscharf kombinieren, der hat Nahkampffähigkeiten, er ist geheimnisumwittert. Jedenfalls rollen die beiden einen ersten Fall auf, indem eine hoffnungstragende Politikerin verschwand und für tot erklärt worden war. Sechs Jahre liegt das schon zurück. Carl Mørck und sein geheimnisvoller Assad entdecken Ungereimtheiten, finden neue Spuren und es entwickelt sich eine ultraspannende Geschichte. Zur Spannung gibt es wunderschöne Wortspielereien, kuriose Momentaufnahmen und eine versteckte, prickelnde Lovestory. Im zweiten, der bisher drei Teile, wird das Sonderdezernat Q durch eine weitere Kraft verstärkt. Rose, die etwas schrille, fix denkende, selbständig handelnde Frau (ob sie Polizistin, oder nur Angestellte bei der Polizei ist, hat sich mir nicht wirklich erschlossen) wurde in einem anderen Koppenhagener Polizeirevier weggelobt, und soll nun das Sonderdezernat Q unterstützen. Carl Mørck ist entsetzt über das Auftreten und auch das Verhalten der jungen Frau. Zumal der Autor im dritten Band noch einen draufsetzt, und Rose eine multiple Persönlichkeit andichtet. Es knirscht also ständig im Teamgetriebe des Sonderdezernats Q. Auch die beiden neuen Fälle im zweiten und dritten Band lassen es an kriminologischer Spannung nie fehlen. Adler Olsen hat sich haarsträubende, kluge und ultraspannende Kriminalgeschichten ausgedacht, die er mit skurrilen Persönlichkeiten würzt, die jede für sich einzigartig und liebenswert ist. Binnen kürzester Zeit habe ich alle drei Thriller – Erbarmen, Schändung und Erlösung - gelesen. Es waren wieder Leseabende, auf die ich mich richtiggehend schon morgens freute. Nein, der Vergleich mit Stig Larsson hinkt nicht nur, er ist fehl am Platze. Alder Olsen hat keinen anderen Autor imitiert. Adler Olsen hat seinen eigenen, aus meiner Sicht, unheimlich spannenden und dabei auch noch witzigen Stil, der von mir nur mit einer absoluten Leseempfehlung gewürdigt werden kann. Abgeguckt bei Stig Larsson ist lediglich die Aufmachung der Bücher.
Ran an die unglaublichen Geschichten rund um Carl Mørck, Assad und Rose! Ich freue mich schon auf die nächsten Adler Olsen Geschichten, die das Sonderdezernat Q mit Bravour lösen wird; das ist sicher!
MSp
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