02.12.2011***Dezembergrau und bevorstehende Herbststürme***
***Gekürzte Version***
Bevor ich mich diesem Freitag widme, werden noch einige Eindrücke von gestern nachgeschoben. Ungefragt, und ohne Rücksicht, ob es jemanden
interessiert. Kurz nach 15.00 Uhr steuerte ich den Astra nach Köln, parkte im Kaufhofparkhaus. Mir ist erst gestern aufgefallen, dass das Parkhaus ein bedeutend größerer Komplex ist, als der Kaufhof selbst – und der ist schon ganz schön groß! Vermutlich verdienen die mehr Kohle mit den parkenden Autos, als mit ihrem Warenverkauf. Na, egal. In Köln war der Himmel grau, der Rheinbacher Wind hatte den Weg hierher noch nicht gefunden, und das Rheinische Thermometer zeigte echte 12° C an. Schmuddelig fühlte sich das an. Bewusst war ich so früh nach Köln gefahren, damit ich vor dem Joomla Stammtisch um 19.00 h noch Zeit hatte, mir den Weihnachtsmarkt an der Domplatte und am Neumarkt anzusehen. Vom Kaufhof ließ ich mich durch die Schildergasse im Menschenstrom zum Dom treiben. Da sind nicht 10 Leute unterwegs, nicht 100, nicht 1000, nein, da sind Zehntausende unterwegs. Keiner schaut dem anderen ins Gesicht. Alle Blicke sind verschlossen und schauen nach irgendwo in die Menge. Nur selten berühren sich die Dahingehenden. Jeder hat die Bewegungen der Menge vor sich im Auge und passt sich an. Wahrscheinlich funktionieren die beeindruckenden Vogelflugformationen gleichermaßen. Ich versuchte mir hin und wieder Gesichter anzusehen. Das funktioniert nicht! Erstens schaut niemand zurück, und zweitens kam ich aus dem Rhythmus raus, und stieß mit Leuten zusammen. Was war ich fasziniert. Wie zäher Harz an kühlen Tagen floss die Menge in beide Richtungen; die eine hin zum Dom, die andere weg vom Dom. Was war das für ein Gedränge auf dem Weihnachtsmarkt am Dom! Fast kein Durchkommen! Viele – viele Buden, hellerleuchtet. Viele-viele Düfte, würzig und süß gemischt. Viele-viele Klänge, kunterbunt. Beeindruckend war der hohe Weihnachtsbaum in der Mitte, der unterhalb seiner Krone mit einem dichten Netz von Lichterketten abgehängt ist, sodass man meinen möchte, ein Sternenhimmel spanne sich hellleuchtend über das Treiben am Dom. Leider hatte ich meine Kamera nicht dabei, als Beweisfoto hielt dankenswerterweise mein Smartphone als Ersatzkamera her. Eine Runde ließ ich mich zwischen all den Buden und Ständen drängen und schubsen, dann reihte ich mich in den Menschenstrom, der weg vom Dom zog nud schob, ein. Geduldig floss ich im Menschenharz dahin zum Neumarkt. Das Bild auf diesem Weihnachtsmarkt kommt beruhigender daher. Wurde ich am Dom vom Licht fast geblendet, so ruhte der ebenfalls gut besuchte Neumarkt-Weihnachtsmarkt im gedämpften Licht. Schwachleuchtende Sterne hängen in den Bäumen. Die Weihnachtsmarkthäuser sind alle sehr ähnlich, haben hohe spitze Dächer, und sind wirklich aufwendig gearbeitet. Die Menschen sind hier gelassener. Da wird nicht gedrängelt und geschoben. Viel Grün wurde in das Gesamtensemble eingebracht; es duftete nach frisch geschlagenen Tannenzweigen. Sogar die Musik ist gedämpft und angenehm im Hintergrund. Am Backfischstand reihte ich mich in die Schlange ein, und als die Gruppe junger Männer mich fragte, ob die Schlange hier beginne, antwortete ich: „Nee, die endet hier!“. Das Gelächter war groß, und ich durfte an der rheinischen Fröhlichkeit teilhaben, gehörte alsgleich mit dazu. Hinter die Männer stellte sich eine Frau mit Kinderwagen und fragte die Jungs, ob sie vor dürfe. Dabei deutete sie auf den Kinderwagen. Quasi die Legitimation fürs Vordrängeln. Was dann folgte war der Hammer! Zuerst ein kurzes Schweigen. Die resolute Mama setzte bereits an, mit dem Kinderwagen nach vorne zu fahren, da ergriff einer der Männer das Wort: „Den Trick kenne ich. Den Künnawaaren als Freifahrtschein! Klappt ja fast immer, was!? Bleiben se ma jaanz locker hinter uns. Sie hängen doch eh den jaanzen Tach daheim rum un langweilen sich zu Tode. Stellen se sich in dö Schlang wie all annern ooch, und jenießen se dat Treiben hier. Wird ihnen jut tun.“ Kurzes Schweigen, dann grölten die andern, dass der Kinderwagentrick heute Abend nicht funktioniere. Was tat die Frau? Die lachte mit und reihte sich ein! Das hätte mal auf dem Land passieren sollen! Ich bin sicher, eine Massenschlägerei wäre ausgebrochen, um die Ehre der heiligen Kindsmutter zu wahren. Mein Backfisch? Wunderbar schmeckte der! Wieso gelüstet es mich auf Weihnachtsmärkten immer nach Backfisch? Da habe ich mir eine echte Macke anerzogen! Also, nur fürs Protokoll: Ich fand den Weihnachtsmarkt am Neumarkt viel gemütlicher und auch fröhlicher als den am Dom. Ich glaube, am Dom sind die Touristen (der Hauptbahnhof ist ja direkt gegenüber) und am Neumarkt sind die Kölner. Meine Uhr warnte mich, so trieb ich wieder mit den Menschen zum Kaufhofparkhaus, zahlte meine Zeche, und fuhr kreuz und quer durch die Millionenstadt nach Nippes; wie funktionierte so etwas eigentlich in der Zeit vor den Navis? Inzwischen war es stockdunkel. Ich sah bunt beleuchtete Straßen, unendlich lange Lichterketten in ausgewachsene Platanen, einen kleinen, versteckten Weihnachtsmarkt in Nippes, den ich aus Zeitgründen leider nicht mehr besuchen konnte, und war zeitig im Altenburger Hof. So gut war der Stammtisch lange nicht mehr besucht! Ein wildes Ducheinander und Gefachsimpel war das. Aber anregend, lehrreich und schön. Es ging auf 22.00 Uhr zu, da trat ich aus dem Altenburger Hof heraus. Was schreckte ich zusammen. Da spritzte es nass aus dem dunklen Himmel herab. Feuerwehr konnte das schlecht sein, denn es brannte definitiv nicht. Es dauerte, bis es mir klar wurde. Um ganz sicher zu gehen fragte ich die hübsche Miniberockte, die hier draußen eine rauchte: "Ist das etwa Regen?". Sie lachte, und antwortete schlagfertig: "Ja, in der Schule habe ich mal so was von Wassertropfen von oben gelernt; könnte echter Regen sein." Wie lange hatten wir das denn nicht mehr? Lange! In regendunkler Nacht fuhr ich nach Oberdrees, warf meine Klamotten in die Ecke, putzte mir schnell die Zähne und kroch unter die Decke. Nur wenige Seiten las ich im zweiten Adler Olsen Buch, dann fielen mir die Augen zu. Ein guter Tag war zu Ende.
Der Wecker rief mich um viertel vor sechs Uhr aus dem noch tiefen Schlaf. Es war die erste Nacht in dieser Woche, in der ich richtig gut geschlafen habe. Wie gut das tut! Um sieben Uhr war ich im Schwimmbad, schwamm meine 42 Bahnen ohne Mühe in guter Zeit, erhielt ein bezauberndes Lächeln von der Wasserläuferin, die ich schon seit Wochen nicht mehr gesehen habe, winkte ihr zu, sie strahlte und winkte zurück, und ich spazierte ruhigen Schrittes zurück ins Büro. Einer meiner Mitarbeiter hatte mir eine „Fettbemme“ mitgebracht. Ein Doppelweck (kennt man diesen Begriff außerhalb des Saarlandes?), belegt mit unverschämt dick geschnittenem Pizzafleischkäse. Den inzwischen abgekühlten Fleischkäse wärmte ich in der Mikrowelle auf, und nun setzte ich mich genüsslich mit einer Tasse frischem Kaffee in meine Büro, lehnte mich zurück und verschlang hungrig die beiden Kaloriensünden; da war das morgendliche Training ja mal wieder fein für die Füße gewesen! Mein Telefon klingelte, ich hatte den Mund noch nicht richtig leer, da hörte ich die Stimme (...............................).
Während ich auf meinem Stuhl saß und meinen Gedanken nachhing, raschelte der Wind draußen in den verbliebenen, völlig ausgetrockneten Blättern der Linde und der Eichen. Der Himmel war dunkelgrau. Vereinzelte Regenspritzer schmückten die Fensterscheibe. Ich sah raus; kein schöner Tag! (............) und ging an die frische Luft. Nein, es regnete nicht wirklich. Es tröpfelte. Der Wind versuchte meine grauen Haare zu ordnen, die nach dem Schwimmbad immer sehr übermütig in alle Richtungen stehen. Noch war es mild, knappe 8° C, aber ab Mittag sollte das Thermometer fallen. Wie gut mir der Gang im grauen, windigen Vormittag tat! (..............) Am Mittag brach ich auf in die Heimat. Nun regnete es im Rheinland. Ohne Hast ließ ich den Astra in die Vulkaneifel rollen, hörte mir dabei ein Hörbuch von John Grisham an, und fühlte, wie sich die Spannung in mir abbaute. Das Wetter änderte sich nicht wirklich. In der Eifel regnete es nicht. Aber es war so grau und windig wie im Rheinland. Jetzt, kurz vor 18.00 Uhr zeigt das Außenthermometer nur noch 0,4 ° C an. Das gibt Frost! Es duftet wunderbar in unserer Küche. Frischer Lachs liegt in der Pfanne, dazu gibt es Dibbelappes und Endiviensalat. Ein gute Flasche Rotwein wurde schon vor Stunden von ihrem Korken getrennt. Im Kachelofen brennt lodernd ein wärmendes Feuer. Komm nur, du dunkler Freitagabend! Wir werden es mit Dir aufnehmen! und die angekündigten Herbststürme? Die hindern uns morgen nicht daran, nach Koblenz zu fahren und den Weihnachtsmarkt zu besuchen.
MSp
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