10.12.2011***Vollsonnendezembertag in der Adventeifel***

Beim Frühstück sahen wir uns die Wetterstation an. Zuerst zeigte das Außenthermometer -1,2 ° C an. Kurze Minuten danach waren es nur -2,5 ° C. Wir konnten der Temperatur zugucken, wie sie in die Knie ging! Wolkenlos und noch blassblau spannte sich der Eifelhimmel über uns. Die Sonne kroch über die Hügel, hatte nichts im Sinn, als das kleine Dorf in der Vulkaneifel ins Licht zu tauchen. Marion hatte Dienst, also stand mir ein Michasamstag bevor. Wir verließen gemeinsam das Haus. Marion fuhr nach Daun, ich marschierte rüber zum treuen Jupp. Was mich heute früh geritten hatte, diese sündhaft teuren, topschicken Schuhe, zu deren Kauf ich mich in Maastricht von der tiefausgeschnittenen, spitzenbehahten, vollbusigen Holländerin habe überreden lassen, anzuziehen, das wüsste ich auch mal gerne. Abgesehen von der Assoziation der niederländisch sündigen Oberweite haben diese halbhohen Schnürstiefel arschglatte Sohlen. Die Feuchtigkeit der Nacht war auf der Straße gefroren, so schliwwerte  ich mit vorsichtigen Schritten über den Aspahlt. Altes deutsches Sprichwort: „Hände weg von Gedanken an holländische Brüste im Winter!“ – die locken nur dazu, falsche Kaufentscheidungen zu treffen. Unfallfrei erreichte ich Jupps Haus. Die Tür zur Kellerküche stand offen, Paula, die kleine, kunterbunte Katze, erkannte mich sofort, erhob sich vom Stuhl und bog einen Katzenbuckel, der für jedes Bilderbuch hätte herhalten können. Sie schnurrte, ich streichelte sie, sie kratzte zärtlich meine Hand, und dabei rief ich nach Jupp. Keine Antwort. Also ging ich wieder raus, marschierte vorsichtig über das spiegelglatte Feinsteinzeug zur Haustür, klingelte, und stand minutenlang vor verschlossener Tür. Ich klingelte wieder und wieder. Nichts geschah. Der treue Jupp hört noch ein gutes Stück schlechter als ich, also marschierte ich wieder in den Keller. Vorher warf ich einen Blick in die Garage. Franz-Josefs Auto war nicht da, aber der Traktor und Jupps Auto standen daheim. Also sollte mein Freund auch da sein. Ich rief mit lauter, befehlsgewohnter Offiziersstimme nach ihm. Paula sah mich an, als hätte ich nicht mehr alle Tassen im Schrank, doch mein Freund Jupp regte sich nicht. Einen kurzen Moment machte ich mir Sorgen, aber ich habe kein Recht, einfach so durchs fremde Haus zu marschieren. Und wenn ihm was passiert ist? Aber die Spuren im Raureif auf im Hof waren so frisch, da hätte sein Sohn Franz Josef bestimmt schon längst reagiert. Ich weiß, dass Jupp heute auf eine Goldene Hochzeit eingeladen ist. Wahrscheinlich ist er im Bad, duscht gerade, rasiert sich, und macht sich schön für die hoffentlich reihenweise verwitweten weiblichen Mitgäste. So streichelte ich die kleine Paula eine Minute lang und begab mich wieder auf den Rückweg. Inzwischen hatte der Morgenhimmel ein tiefes Blau als Farbe angenommen. Hier und da mogelte sich ein Wölkchen ins Azur, aber überwiegend versprach dieser Himmel einen wunderschönen Sonnentag. Schon lange habe ich Heinz und Juliane nicht mehr besucht. Daran dachte ich, als ich an ihrem Haus vorbeiging, steuerte kurzentschlossen in die Einfahrt, und beschloss, hier eine Tasse Kaffee und ein morgendliches Gespräch zu schnorren. Keine zwei Schritte war ich auf ihrem Grundstück, da öffnete Heinz schon die Terrassentür und forderte mich auf, reinzukommen. Der muss mich durchs Fenster schon gesehen haben! Ich bekam Kaffee und gutes Gespräch. Nach einer halben Stunde schlitterte ich wieder heim, fuhr eine große Schubkarre voll Holz ins Haus, um danach meinen freien Michasamstag zu genießen. Einen kurzen Moment überlegte ich, trotz meiner Absage von gestern, die liebe Gritt in Hannover anzurufen, die mir signalisiert hatte, dass sie sich heute über einen Anruf meinerseits freuen würde. Doch den Gedanken verwarf ich schnell wieder. Jetzt würde ich mich mal um mich kümmern. Eine halbe Stunde spielte ich mit meinem Weihnachtsgeschenk, beschloss, dass der Kindle genau das Richtige für mich ist, lud mir alsgleich reichlich Lesematerial für die Feiertage drauf, und verpackte das gute Stück wieder in der Originalverpackung, damit das Christkind es in Geschenkpapier einschlagen-, und ich vergessen darf, was da drin ist. Das wird eine schöne Überraschung! Draußen hielt der Tag, was er heute früh versprach! Da gab es Sonne ohne Ende. Das Thermometer kletterte auf satte 4° C, hellleuchtendes Dezemberlicht lag in der Eifel. Die Vögel stellten das Vogelfutterhaus auf den Kopf und feierten Party, ich gönnte mir eine sehr lange Lesepause auf der breiten Couch vorm lodernden Kamin. Wie eine Horde wilder Räuber überfiel mich schon bald die in der Woche vermisste Ruhe, die kurz darauf einer angenehmen Schwere das Feld räumte. So gönnte ich mir ein ausgiebiges Nickerchen. Als ich aufwachte, fielen von Südwesten her dicke Bündel weißen Sonnenlichts durchs Fenster, in denen dünnste Staubpartikel tanzten. Das Feuer im Kachelofen war bedrohlich weit herunter gebrannt, da half es nichts, ich musste aufstehen und Holz nachlegen. Wie das knisterte und knackte! Wie schön das ausschaut, wenn die schüchternen Flammen aus der Glut erwachen und sich kleinen gierigen Zungen gleich an den frischen Holzscheiten hochlecken. Und was das für Farben sind! Rot, Orange, Grün, Blau. Mein Blick hing im Feuer und die Gedanken eilten mühelos davon. Als würde ich aus dem Tiefschlaf gerissen, so sehr erschrak ich, als das Telefon klingelte. Es war Marion, sie konnte pünktlich um 15.00 Uhr Feierabend machen; das war heute früh noch nicht sicher. Also würde sie in etwa einer viertel Stunde hier sein. Ich erhob mich, draußen hatte sich an diesem windstillen, sonnendurchfluteten Tag im Eifeladvent nichts geändert. Fast schon viertel vor vier Uhr war`s, da stiefelten wir schön warm verpackt los, und spazierten die große Runde über die Wallenborner Höhe. Zweidrittel des Weges spaziert man in der Sonne. Oben auf der Höhe – die Einheimischen sagen „Hieh“ dazu - war der Boden gefroren. Weiße, milchige Eisplatten lagen auf den Pfützen, die krachend rissen, wenn wir unsere Füße darauf stellten. Kindern gleich überholten wir uns, um als erster an der nächsten Eisscheibe zu sein. Die Luft war klar und frisch. Mit roten Nasen und eiskalten Fingern kamen wir wieder in der Tuchwiese an, da rollte die Sonne sich gerade über die Hügel im Westen, und die Schatten im Dorf zogen sich jetzt bis hinter den Horizont. Vorbei der Sonnentag. Auch wenn ich mich nicht wirklich aktiv darin bewegt habe, so habe ich ihn in vollen Zügen genossen. Mir ist so richtig wohl ums Herz! Meine Frau? Na, die steht am Herd, sorgt dafür, dass ihr Mann sich gleich wieder an den Düften der nahenden Mahlzeit ergötzen kann, und hat nicht eine einzige Sekunde ein Problem mit ihrer Rolle als Ehefrau und Hausköchin. Mir altem Macho gefällt das auch ;-). Es naht ein gemütlicher Samstagabend vorm Kamin, der treue Jupp schwingt derweil bestimmt mit Schweißperlen auf der Stirn das Tanzbein und fühlt sich jungbeschwingt wie damals.

MSp

Zitat des Tages

Konrad Adenauer
Konrad Adenauer: „Man darf niemals 'zu spät' sagen. Auch in der Politik ist es niemals zu spät. Es ist immer Zeit für einen neuen Anfang.“
von zitate-online.de
  "vermutliche" Nettotage bis zum Ziel!