Ostsongs
Vor genau einem Jahr war ich in Neufahrland in der Henrich Heine Klinik zur Kur. Eine wunderbare Zeit. Damals sang ich im Patientenchor mit und erlebte Unglaubliches. Musik kann wirklich heilen, das weiß ich heute. Neu Fahrland liegt im ehemaligen Osten unserer Republik und so war ich einer der ganz wenigen "Wessis" dort. Sollte ich damals noch irgendwelche versteckten Vorurteile in mir getragen haben; seit ich mit diesen wunderbaren Menschen fünf Wochen lang Freud und Leid geteilt habe, gibt es sie mit Sicherheit nicht mehr.
Eine, unter vielen wunderbaren Begegnungen, war die mit einer Sächsin. Wir sangen zusammen im Chor, und wenn ich abends mit meiner Gitrarre spielte und dazu sang, war sie immer dabei. Irgendwann kam sie zu mir ins Zimmer und wollte eine CD mit mir hören. Es war ein Sammelsurium von alten Songs aus DDR-Zeiten. PUHDYS, Silly, Karat, und und und.
Das waren alles Songs, die trotz der deutschen Sprache und trotz der so viel besagten Zensur in der DDR echte Tiefe hatten und noch immer haben.
Ich war hin und weg von den alten Songs. Dann kam ein Brandenburger zu mir, der sich freute, dass der Wessi so großen Gefallen an den Ostsongs fand. Gemeinsam übten wir einen wunderbaren Song von Karat ein: Märchenzeit. Dieser Song gehört heute zu meinem festen Repertoire.
Im Oktober war ich wieder als Gast zum Singen in der HHK. Als ich Märchenzeit sang, saß mir der alte Doc gegenüber und dieser unglaubliche Mann wischte sich die Tränen aus den Augen.
Stellvertretend für die vielen wunderbaren Songs aus dem Osten veröffentliche ich nachfolgend den Text der Märchenzeit:
Märchenzeit (Karat)
Ich erinn're mich gut an die Zeit unterm Dach,
den Ofen, Mama und mich.
Und träumte ich schlecht, dann rief sie mich wach,
daß das Böse schnell von mir wich.
Ich erinn're mich gut, hat sie Märchen erzählt,
kroch tiefer ich in ihren Schoß.
Und der Wolf konnt' mir nichts, und die Hex' war verbrannt,
und ich war gleich stark und groß.
Refr:
Ach, wie schön, wenn man weiß wo man birgt sein Gesicht,
Kind, wenn sie kommt die Angst.
Ach, wie schön, wenn man weiß, allein ist man nicht,
das ist, was du verlangst,
das ist, was du verlangst.
Ich erinn're mich gut, und bin bei dir, mein Kind,
wenn einfällt die Dunkelheit.
Und der Wolf kommt dir nicht, und die Hex' stirbt geschwind
am Abend zur Märchenzeit.
Refr. (2x)
Ach, wie schön, wenn man weiß ...
Ach, wie schön, wenn man weiß ...
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